Diners Club – Interview mit Emilio Genovesi

Es ist soeben das Diners Club Magazin 6 erschienen, das ein Exklusivinterview mit Emilio Genovesi, CEO von Material ConneXion Italien, über die Zukunft enthält; das Interview wurde geführt von Costanza  Romagnoli.
“Der Zugang zum Wasser wird sehr viel wichtiger sein, als Zugang zu Informationen.“

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Dies sind die Worte von Emilio Genovesi, Designexperte, Geschäftsführer von Material ConneXion Italien, einer großen internationalen Datenbank für Materialien und Projektleiter des Biodiversitätparks auf der Expo Milano 2015. “Ich konnte von meinem Gesichtspunkt aus“, sagt er: “eine Kultur der Welt und von dem, was sein wird entwickeln, aus einem bestimmten Blickwinkel.“

“Als erstes erkannte ich, dass keine technologische Entwicklung es uns ermöglichen wird, das Thema der Erhaltung, des Bewahrens auszuschließen.“ Wir müssen das Ökosystem der Artenvielfalt erhalten, das ja jenes System ist, das die Entwicklung ermöglicht hat und das vor allem unsere Nahrung erschaffen hat, denn, wie Genovesi uns in Erinnerung ruft, “man befasst sich mit zahllosen Aspekte, die sich auf die Zukunft beziehen, aber wie Feuerbach sagte, der Mensch ist, was er isst.“

“Nur wenige wissen tatsächlich“, fährt er fort, “dass der Urmensch eine biologisch sehr viel vielfältigere Ernährung hatte, als wir: Der Sammler sammelte in einer üppigen Welt das, was er finden konnte und trug auf diese Weise automatisch zu einem Weiterbestand der Nahrungskette bei. Heute ernähren sich 80% der Menschheit von nur 8 angebauten Sorten und nur 20% unserer Ernährung wird unter Beachtung der biologischen Vielfalt hergestellt“. Ausschlaggebend für die Prävention und die Erhaltung des Ökosystem ist die Qualität unserer Beziehung zu der Erde, “das Problem ist nicht so sehr die Menge an Technologie, die verwendet wird, sondern dass unsere Ausbeutung der Erde ein menschengerechtes Maß annehmen muss – ist diese unendlich groß, wie das heute der Fall ist, so wird dies unser System zerstören, hält sie sich aber in mittleren bis kleinen Grenzen, so wird dies ein Handeln und Fortschreiten in unserer Entwicklung ermöglichen. Wenn uns dies gelingt, wird unsere Zukunft positiv aussehen.“

Vor allem aber werden wir unsere Aufmerksamkeit auf das Wasser richten müssen. Das Wasser wird in Zukunft unser Gold sein. Vor allem bestehen wir zu 90% aus Wasser, das Wasser nährt uns direkt und indirekt, da es der Bewässerung der Agrarprodukte dient grundlegend wichtig ist und zweitens bei der Entwicklung neuer Energiequellen entscheidend sein wird. In diesem Zusammenhang erklärt Emilio Genovesi, dass hier wir es hier nicht nur mit dem Thema des “Sparens“ zu tun haben, sondern auch ein ganz wichtiger sozialpolitischer Aspekt betroffen ist: der des freien Zugangs zum Wasser. Bereits heute haben nach neueren Forschungen, die beispielsweise von der World Health Organization (WHO), UNICEF, dem World Water Assessment Programme (WWAP), der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) durchgeführt wurden, 783 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 40% von ihnen leben in Afrika; 3,6 Millionen Menschen sterben jährlich an wasserbedingten Problemen und im Jahr 2025 wird die Hälfte der Weltbevölkerung, 4 Milliarden Menschen, mit dem Problem der Wasserknappheit

konfrontiert werden. Genau aus diesem Grund wird der Zugang zu Wasser sogar wichtiger sein, als der Zugang zu Informationen.

Bei der Entwicklung des Themas “Zukunft“ von einem mehr wissenschaftliche Gesichtspunkt stellt sich heraus, dass das wirklich große Problem ist, dass die Barrieren fallen, die wir zwischen Natürlichem und Künstlichem aufzubauen gelernt hatten. Heute macht es uns die Entwicklung der Wissenschaft immer schwerer zu verstehen, wo die Grenzen sind.
Die beiden Konzepte verlieren langsam Bedeutung.
Heutzutage stehen hunderte von Materialien als Beispiele für diese Tatsache, eines davon ist für jedermann immer sichtbar: die “Plastik“-Tüten im Supermarkt werden aus Mais hergestellt und nicht aus Erdöl. Wir haben es mit einer radikale Veränderung zu tun, aber diese Veränderung wird noch wichtiger und dramatischer sein, wenn diese Barrieren innerhalb des menschlichen Körper fallen werden: sei es im unendlich Großen, der Bionik, sei es im unendlich Kleinen, also allem, was mit der Gentechnik zu tun hat. An diesem Punkt wird auch der Mensch zum Objekt bestimmter Projekte. Bis heute hat nicht

der Mensch die Welt entwickelt, er war immer und ausschließlich von der Evolution oder von Gott entworfen worden. Stattdessen wird der Mensch schon bald, dank der großen technologischen Entwicklungen, in der Lage sein, sich selbst zu entwerfen. Aber dies wird eine weitere enorme und völlig neue Grenze öffnen.

Wer weiß schon, wieviel von dem, was wir sagen und uns vormachen, letzten Endes verwirklicht werden wird, aber die gleiche Frage kann man sich auch bezogen auf unsere Vergangenheit stellen: “Wie hat man sich das Jahr 2000 nach dem Jahr 1900 vorgestellt? Wie viele der Vorstellungen sind wirklich eingetreten? Ich hätte immer schon gern eine Ausstellung über die Möglichkeiten einer Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit gemacht“, gesteht er: “oder besser gesagt, ich werde eine machen!“